Frohes neues Jahr 2026

Frohes neues Jahr 2026.

Ein weiteres Jahr voller Möglichkeiten, Rückschläge und Hindernisse. Nichts bleibt, wie es war. Das liegt in der Natur der Sache.

Dieses neue Jahr wird uns formen, in all seiner Vielfalt. Und das ist gut so.

Mein Ziel für dieses Jahr liegt diesmal nicht darin, verzweifelt nach dem Schönen zu suchen. Nicht darin, alles positiv zu deuten oder jeder Erfahrung sofort einen Sinn zu geben. Im Gegenteil.

Ich möchte mich auf die kleinen Dinge konzentrieren. Nicht, weil sie besonders sind, sondern weil sie wirken.

Oh nein. Schon wieder kein Tempo.

Ich bin manchmal echt ein Dussel. Gerade im Winter.

Man weiß es eigentlich. Minusgrade, kalte Luft, Nase läuft. Ich habe Hunde, ich gehe jeden Tag raus. Das ist kein Überraschungsmoment, das ist Routine.

Und trotzdem stehe ich immer wieder draußen und merke nach ein paar Minuten: kein Tempo dabei.

Nicht dramatisch. Aber nervig. Diese leicht triefende Nase, die man permanent hochzieht. Unbewusst erst. Irgendwann merklich. Und irgendwann einfach stressig.

Also habe ich etwas ausprobiert.

Ich habe diesem leichten Unwohlsein Raum gegeben und beim nächsten Spaziergang, als ich es gemerkt habe, einfach ein Tempo in die Jacke gesteckt, direkt als ich Zuhause angekommen bin.

Mehr nicht.

Am nächsten Tag war ich wieder mit den Hunden unterwegs. Kälte, gleiche Strecke, gleiche Situation. Und plötzlich fiel es mir ein: Ui, ich habe ein Tempo dabei.

Und ich habe mich wirklich gefreut. Über ein Tempo.

Das klingt banal, ist es ja auch, aber genau deshalb ist es so interessant.

Denn in dem Moment ist etwas weggefallen:

  • kein inneres Ziehen.
  • Kein unterschwelliger Stress.
  • Kein genervtes Hochziehen.

Einmal Nase putzen. Ruhe.

Da ist mir etwas klar geworden.

Wir sprechen heute unglaublich schnell davon, dass wir uns „nicht wohlfühlen“. Diffus. Groß. Unbestimmt.

Aber dieses Beispiel zeigt, wie fein Wohlbefinden eigentlich ist.

Manchmal fehlt kein Sinn. Kein Ziel. Keine Veränderung des Lebensentwurfs.

Manchmal fehlt einfach ein Tempo.

Und wenn man anfängt, diese kleinen Reibungspunkte überhaupt erst ernst zu nehmen, merkt man, wie viel Qualität genau dort liegt.

Und damit das nicht missverstanden wird, muss man an dieser Stelle etwas sehr klar sagen:

Es geht hier nicht um große Themen. Nicht um Lebensziele. Nicht um Persönlichkeitsentwicklung.

Es geht um banale Dinge.

Man trifft einen Kumpel. „Boah, ich bin heute Morgen so müde.“ Die Antwort kommt automatisch: Dann geh halt früher ins Bett.

„Ich habe den ganzen Tag nichts getrunken.“ Ja, dann nimm dir halt eine Flasche mit.

„Ich muss schon seit einer Stunde aufs Klo.“ Dann geh doch kurz.

Kein Ratschlag. Kein Coaching. Keine Tiefe.

Einfach: Das würde dir gerade guttun.

Und genau das ist der Punkt.

Bei anderen sehen wir ihr Wohlbefinden sofort. Klar. Präzise. Ohne Pathos.

Wir erkennen die kleinen, naheliegenden Stellschrauben, die sofort Entlastung bringen würden.

Bei uns selbst verschwindet diese Klarheit.

Dann ignorieren wir Durst. Dann schieben wir Müdigkeit weg. Dann halten wir Spannung aus. Dann leben wir mit Reibung, als wäre sie unvermeidlich.

Nicht, weil wir es nicht besser wüssten. Sondern weil wir uns selbst weniger ernst nehmen als die einfachen Bedürfnisse anderer.

Und genau hier kippt etwas.

Denn dieselbe Klarheit, mit der wir bei anderen kleinste Stellschrauben benennen können, bringen wir uns selbst kaum entgegen.

Bei anderen sehen wir sofort, wo unnötige Reibung entsteht. Wo etwas leicht zu vermeiden wäre. Wo ein kleiner Handgriff viel Ruhe bringen würde.

Bei uns selbst hingegen verlieren wir diese Präzision. Dann wird aus einem klaren Bedürfnis ein diffuses „Ich fühle mich nicht wohl“. Aus einem konkreten Mangel eine große Frage nach Veränderung.

Das ist kein Mangel an Einsicht. Es ist ein Mangel an Ernsthaftigkeit, uns selbst gegenüber.

Wir nehmen unsere Urteile über andere oft ernster als die Signale unseres eigenen Körpers. Und genau deshalb verteilen wir Ratschläge, die wir selbst nicht leben.

Nicht aus Arroganz. Sondern, weil Distanz Klarheit schafft und Nähe Verantwortung.

Und genau deshalb kann ich meine Ziele für dieses Jahr nicht so formulieren wie sonst.

Ich habe keine Lust auf große Vorsätze, wenn ich an kleinen Stellen regelmäßig an mir vorbeilebe. Ich will mir nichts vornehmen, das an der Realität meiner Tage vorbeigeht.

Bevor ich Ziele formuliere, will ich klären, wie ich mit mir selbst umgehe. Ob ich mir dieselbe Aufmerksamkeit schenke, die ich bei anderen selbstverständlich aufbringe. Ob ich die kleinen Signale ernst nehme – oder erst dann reagiere, wenn alles groß und diffus geworden ist.

Meine Ziele für dieses Jahr entstehen nicht aus Mangel. Nicht aus dem Wunsch, besser zu werden. Sondern aus dem Entschluss, präziser zu sein.

Präziser im Wahrnehmen. Präziser im Reagieren. Präziser darin, unnötige Reibung nicht zu romantisieren.

Vielleicht geht es in diesem Jahr weniger darum, mehr zu erreichen.

Und mehr darum, weniger zu ignorieren.

Von hier aus beginne ich meine Reise durch 2026. Nicht mit Zielen, sondern mit Richtung.